Sehen, was ist.

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Sehen, was ist

Die Welt Orwells oder die Welt Huxleys? Ich hatte das schon einmal thematisiert. Beide prophezeien eine schreckliche Welt, doch die Gründe dafür sehen sie sehr unterschiedlich. Der eine sieht den Grund für den Niedergang der Menschheit in der Machtausübung einiger, der andere sieht es in der Verführbarkeit der Menschen.

Ich bin da für die Verführbarkeit, denn die kann ich sofort beenden, die Macht aber nicht, die ein anderer über mich hat. Ich bin immer für das, was ich selbst in der Hand habe zu ändern. Und schaue ich mir unsere Konsumwelt an, dann bin ich definitiv für die Verführbarkeit. Ob das wo anders anders ist, kann ich nicht sagen, für uns hier in Europa ist es aber so. Meine Ansicht.

Was ich damit sagen will: Sind wir uns überhaupt bewusst, in welcher Welt wir tatsächlich leben? Denn das ist nicht die Welt, wie sie uns zu sein erscheint, und auch nicht, wie wir glauben und denken, wie sie ist, sondern wie sie wirklich ist.

Gilt es das nicht erst einmal herauszufinden?

Bedeutung und Information

Das Leben scheint – oder ist ganz offensichtlich – nicht das Ergebnis von Planung, sondern weil es einfach funktioniert hat und auch noch immer tut. Erst einmal nicht so einfach zu verstehen.

Strukturen und Prozesse sind nicht dazu da, damit die Organismen überleben und sich fortpflanzen. Es ist umgekehrt: Sie überleben und pflanzen sich vielmehr deshalb fort, weil es sich ergeben hat, dass diese Strukturen, die zufälligerweise überleben und sich reproduzieren, entstanden sind. Die lebenden Organismen pflanzen sich deshalb fort und bevölkern die Erde, weil sie funktional angepasst sind.

Eine Feststellung des Quantenphysikers Carlo Rovelli in seinem Buch Helgoland: Wie die Quantentheorie unsere Welt verändert. Nur wie funktioniert das Leben dann? Wir Lebewesen sind in der Lage, den Informationen zwischen innen und außen Bedeutung zu verleihen, eine Korrelation darin zu sehen. Woher sollte ich sonst wissen, dass ich einem auf mich zukommenden Auto ausweichen sollte, es sei denn es ist das Spielzeugauto meines Enkels und fliegt auch nicht in Richtung meines Kopfes!

Es ist also nicht die Information als solche, die für mich wichtig ist, sondern die, die eine Korrelation zwischen mir und dem Ereignis herstellt, über das die Information „spricht“. Nur was ist mit der „Information“, die keine solche Korrelation herstellt? Nur geeignet für Ängste? Muss ich darüber nachdenken.

Was „Bedeutung“ für mich hat, kann sehr unterschiedlich sein. Ein Gedicht oder ein Song aus den 68ern hat keine Bedeutung für mein Überleben, ist nur „Just For Fun“. Wir reden also auch von „Bedeutung“ in Zusammenhängen, die für das Überleben nicht unmittelbar relevant sind.

Auch wenn nicht alles eine unmittelbar relevante Information ist, hat es sich offensichtlich doch aus etwas heraus entwickelt, das physikalische (!) Wurzeln hat. Sind Information und ihre Bedeutung das gedankliche Bindeglied zwischen den vermeintlich verschiedenen Welten von Physik und Geist? In der Welt der Physik hat scheinbar nichts eine Bedeutung, ist alles reine Information, in der Welt des Geistes hingegen tritt die Bedeutung in den Vordergrund.

Ganz offensichtlich ist es so, dass jede beliebige Korrelation, die zur unmittelbar relevanten Information beiträgt, ebenfalls rekursiv von Bedeutung ist. Früher habe ich mich immer gefragt, wieso sich Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser verbinden konnte , heute frage ich mich, dass es ganz einfach nutzbar war, denn das Wasser konnte das Leben nutzen. Die Entstehung von Wasser ist ein fraglos physikalischer Prozess, der extrem relevant für das Leben ist.

Daraus ziehe ich für mich den Schluss, dass Materie keine Sache an sich ist, sondern die Korrelation hinzukommen muss, dass Wasser- und Sauerstoff eine Bedeutung haben. Wenn ich in unseren Garten schaue sehe ich auch keine Dinge, sondern nur ein Netzt von Beziehungen, bedingt durch Informationen, die Korrelationen herstellen; ein Beziehungsnetz, in dem auch ich existiere. 

Daher muss eine Theorie über die Welt auch die Frage beantworten, wie ich oder jemand anderes auf diese Theorie kommen kann. Diesem Kriterium wird allein die Vorstellung gerecht, wenn ich als den Stoff, aus dem die Dinge bestehen, Wechselwirkung und Korrelation erkenne.

Bedenke ich darüberhinaus, dass alles nur in einer Beziehung Eigenschaften hat, dann ist offensichtlich, dass das das Eigentliche ist – Beziehung, Information und Bedeutung.

Informationen

Informationen sind alles andere als neutral. Sie verändern den ‚Empfänger‘ unmittelbar. Und genau deswegen ‚funktionieren‘ auch Heisenbergs Matrizen, was ein Physiker vielleicht anders formulieren würde. Er würde wohl sagen, dass es auf die Reihenfolge der Informationsgewinnung ankommt.

Woraus zu schließen ist, dass die Zukunft nicht durch die Vergangenheit bestimmt ist, die Welt ist definitiv probabilistisch. Auf Deutsch: Nichts ist definierbar. Das ist noch schlimmer als die Sache mit der Wahrscheinlichkeit. Stellen Sie sich vor, man sagt mir, ich bekomme gleich (netten) Besuch, der immer Bier trinkt. Und dann bekomme ich die Information, dass wir kein Bier mehr zu Hause haben.

Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, ich bekomme erst die Information, dass wir kein Bier mehr haben und dann die Information, dass der biertrinkende Besuch kommt. Spontan würde ich sagen, dass das für mich keinen Unterscheid macht. Aber wenn ich so nachdenke, freue ich mich in diesem Fall vielleicht weniger über den Besuch, weil ich in Gedanken damit beschäftigt bin, wo ich das Bier herbekomme.

Das sagt die Heisenbergsche Unschärferelation aus. Und die gilt immer, auch wenn wir es in der Regel nicht wahrnehmen. Es ist die Aussage der Quantenphysik, dass zwei komplementäre Eigenschaften eines Teilchens nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind.

Was im Alltag keine Rolle spielt, wir sehen nur ungefähr, aber nicht genau. Sie wie mein Enkel viel mehr Details erkennen kann als ich. Dass ich aber aus Molekülen und die wiederum aus Atomen zusammengesetzt bin, dass sieht auch er nicht. Doch will ich versuchen, mich zu verstehen, muss ich wissen, wie ‚meine’ Atome funktionieren.

Denn ich kann nicht anders funktionieren als sie, auch wenn das Ganze mehr ist als seine Teile. Was aber nicht der der Funktion liegt, das bedingt ‚nur‘ die Komplexität. Doch ‚funktionieren‘ kann ich nur wie meine Atome. Es gelten die identischen Gesetzmäßigkeiten.

Das bedeutet für mich, dass die Zukunft nicht durch die Gegenwart bestimmt wird und dass physikalische Gegenstände nur in Bezug auf andere physikalische Gegenstände Eigenschaften haben und dass es diese Eigenschaften nur gibt, wenn die Gegenstände miteinander wechselwirken. Und unterschiedliche Perspektiven können nicht aufeinandertreffen , ohne widersprüchlich zu wirken. Aber sie sind es nicht.

Daher sollten wir das, was wir für gewöhnlich für wirklich halten, immer nur als Approximation verstehen, also eine Annäherung; aber nie behaupten, wir wüssten, was Sache wäre. Das können wir nämlich nicht wissen, wir sehen die Welt ja nur wie jemand, der die Dinge nicht genau sehen kann.

Wollen wir wirklich ‚sehen‘, müssen wir uns in die Welt der gedanklichen Vorstellungen begeben. Schwierig ist, diese ‚Information’ mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Aber, wie das eben Informationen so an sich haben, verändern uns solche Informationen. Und genau deswegen negieren wir sie vielfach lieber, also uns damit auseinander zu setzen.

Erkennen, was wirklich ist

Die Natur weiß sehr genau, was „sie“ tun muss, damit sich das Ganze – und wirklich das Ganze – bei den jeweiligen Rahmenbedingungen optimal entwickelt.

Es ist müßig sich zu fragen, wieso sie das kann, sie kann es ganz einfach. Diese intuitive Fähigkeit oder dieses Wissen ist den Menschen vielfach verloren gegangen oder mit etwas anderem überlagert und verdrängt.

Daher geht es darum, zu diesem ursprünglichen Zustand zurückzufinden. Wahrscheinlich geht es dabei schlicht um das eigene Leben und das Überleben der Gesellschaft. Nicht mehr und nicht weniger.

Da ich selbst ja ein Aspekt des Kosmos bin, ja sein muss, brauche ich nicht nach außen zu schauen, sondern muss nach innen schauen – was wesentlich herausfordernder ist.

Zu erkennen, was mich ausmacht, ist nicht so einfach, bedeutet es doch Selbstverständlichkeiten und kulturellen Gewohnheiten auf den Grund zu gehen, all den Dingen, die ich eben mache, aber nicht wirklich weiß, weshalb ich sie mache.

Das bedeutet herauszufinden, wie und weshalb ich sie gedacht habe. Waren es „ganz einfach“ nur naturalistische Fehlschlüsse im Denken, das Vertauschen von Wert und Fakten, wie fragmentiertes Denken?

Wenn dem so ist, dann wird es Zeit, mich um meine eigenen Denkstrukturen zu kümmern. Und was, wenn auch das kollektive Denken von unzutreffenden Annahmen ausgeht, ganz einfach, da unser Weltbild unzutreffend, weil unvollständig ist?

Von 42 weiter zu 137

Früher fand ich die Welt ziemlich mysteriös oder auch magisch bis schlicht unverständlich, was ich immer mit 42 auszudrücken suchte. „42“ ist die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest aus dem Buch Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams.

Das wiederum brachte mich letztlich zu „137“, einer Zahl, die keine Zahl ist, sondern ein Wert, der schon manche Quantenphysiker zur Verzweiflung gebracht hat. Wolfgang Pauli und C. G. Jung haben in ihrem Buch 137 versucht, diesem Wert – es ist ja nicht einfach nur eine Zahl – auf den Grund zu gehen – eine mystische Reise in das Grenzgebiet zwischen Physik und Psychologie.

Ich verstehe das so: Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht erklären können, sondern nur erleben und beschreiben. So wie 137 eine exakte Beschreibung ist, die zwar erlebbar ist (wenn auch nicht bewusst) – aber keine Erklärung ist. Das ist eines der Dinge, beileibe aber nicht das Einzige, woran man sehen kann, dass das Tor zur Matrix sperrangelweit offen steht – und wir nicht einmal hindurchgehen müssen (genau wie bei dem torlosen Tor des Zen!), weil wir ja schon längst hindurchgegangen sind – denn wir existieren ja!

Ich finde es wichtig, endlich die Differenzierung zwischen lebendig und nicht lebendig aufzugeben, denn Quantenphysik (und nicht zu vergessen die Relativitätstheorie) betrifft alles Existierende gleichermaßen. So kann ich die (scheinbar) nicht lebendige Luft nicht von mir trennen, nur differenzieren. Denn Luft ist sicher als ein Aspekt des Lebendigen zu bezeichnen, denn ohne Luft wäre ich ziemlich schnell unlebendig. Also gehört sie fraglos zu meinem Lebendigsein.

Und ohne festen Boden unter den Füßen und eine Erdkugel, auf der ich durch das All fliegen kann, gäbe es mich auch nicht. Also eine willkürliche Fragmentierung, die es wohl nur gibt, damit wir Menschen uns einbilden können, etwas Besonderes und Erhabenes zu sein. Das sind wir sicher, also besonders, nur erhaben sind wir deswegen noch lange nicht.

In der Metapher 137 steckt aber noch mehr. In der Physik ist 137 nicht nur eine Zahl, sondern auch etwas – was auch immer. Ist das ein freundlicher Hinweis der Natur darauf, dass wir Menschen endlich aufhören sollten, alles in Begriffe packen zu wollen und uns statt dessen endlich einmal auf die Mystik einlassen sollten, dabei aber auch unser konkretes Wissen nicht ignorieren dürfen?

Weltbilder

Der größte Teil meiner bisherigen Vorstellungen bestand aus Konventionen, die ich schon als kleines Kind durch Kommunikation mit meinen Eltern lernte. Andererseits hinterlässt jede Handlung eine neue Datenspur in meinem Geist, die wiederum meinen Blick auf meine (!) Welt prägt.

Denn „wir sind von dieser Welt und nicht bloß in dieser Welt; wir sind selbst Erscheinungen, da wir ankommen und fortgehen, erscheinen und verschwinden“ – wie Hannah Arendt sagt. Dabei mache ich es mir einfach: Ich gehe von dem aus, was wir heute schon wissen und was ich selbst verstanden zu haben denke. Keine Sorge, das ist spooky genug. Für viele klingen die Feststellungen der Quantenphysik eher nach Sciencefiction als nach einer Beschreibung der Wirklichkeit. Hier die wesentlichen Aussagen der Quantenphysik:

  • Die Newton’sche Trennung von Subjekt und Objekt ist nicht mehr aufrecht zu erhalten.
  • Elementarteilchen existieren, solange sie unbeobachtet sind, weder als Welle noch als Teilchen, sondern als etwas anderes. Wahrscheinlich erscheinen sie erst im Moment der Messung.
  • Was gemessen wird, erscheint klar und definierbar, alles andere aber nicht.
  • Die Wirklichkeit ist nicht eindeutig bestimmt, sondern kohärent, erst das Sicht- und Erfahrbare ist dekohärent – oder erscheint so zu sein.
  • Eine Entweder-Oder Kausalität gibt es nicht, sondern nur eine Sowohl-als-Auch Kausalität. Nichts ist wirklich eindeutig.
  • Zwei Teilchen (wenn man in der Auffassung von „Teilchen“ aus der klassischen Physik denkt), die am gleichen Ort und zur gleichen Zeit entstanden sind, können auf Dauer miteinander verbunden sein, d.h. trotz großer lokaler Distanz ein zusammenhängendes quantenphysikalisches System bilden (Verschränkung).
  • Quantenmechanik erzählt uns einiges über Systeme und Gemeinschaften. Etwa, dass das einzelne Quantenteilchen absolut keinen Plan hat, es reagiert absolut zufällig, ohne eine klare Ursache. Eine ‚Meinung’ entwickelt es erst in der Beziehung zu anderen.
  • Einen objektiven Beobachter, der außerhalb des Geschehens steht, gibt es nicht. Die subjektive Beobachtung verändert die Welt nicht nur, sondern ist für sie konstitutiv.
  • In informationstheoretischen Rekonstruktionen der Quantenmechanik hat Information den Status einer physikalischen Fundamentalgröße.

Das erfordert ein gewaltiges Umdenken. Aber wie sagte doch Anton Zeilinger? „Einstein hat gemeint, die Welt kann nicht so verrückt sein (wie es die Quantenphysik darstellt). Heute wissen wir: Sie ist so verrückt!“ Obwohl, eigentlich ist es genau umgekehrt: Wir sind verrückt, wenn wir nicht endlich davon ausgehen.

Quantenphysik ist etwas für den Verstand, es vermittelt mir Fakten, jedoch keine Philosophie über die Welt, kein Weltbild. Da muss ich dann selber ran, wobei ich mich da am liebsten an Nagarjuna und einigen Ch’an-Menschen orientiere. Die sagen solche Sachen, bei denen auch ein Quantenphysiker mit dem Kopf nicken würde:

„Niemals und nirgends
entsteht eine Erscheinung
aus sich heraus, aus anderem,
aus beidem oder ohne Ursache.“

So wie Nagarjuna zu denken, darin liegt eine besondere Qualität des Denkens. Nagarjuna will uns wegführen von der üblichen einfachen Denkweise, die immer nur vom Entweder-Oder, Schwarz-oder-Weiß ausgeht. Es ist eben zu einfach zu denken, dass entweder etwas aus einer Ursache entsteht oder eben nicht. Stattdessen möchte er uns eine andere, uns noch nicht geläufige Denkwege zeigen, damit wir das „abhängige Entstehen“, die relativistische Vernetzung alles Existierenden verstehen lernen. Und genau so will ich denken können.

Wahrnehmung ist Interpretation

Was ich beobachte und wahrnehme, sind ja nichts anderes als Interpretationen aufgrund mentaler Theorien. Einstein hat das sehr gut ausgedrückt: „Vom prinzipiellen Standpunkt aus betrachtet ist es ganz falsch, eine Theorie nur auf beobachtbare Größen gründen zu wollen. Denn es ist ja in Wirklichkeit umgekehrt. Erst die Theorie entscheidet darüber, was man beobachten kann.“ Ich merke das immer bei meinem Enkel mit seinen 6 Jahren. Er „lernt“, die Welt zu sehen, indem er Theorien darüber bildet. Nur: Stimmt die Theorie nicht, stimmt auch seine Wahrnehmung nicht.

Ich kann mich also nur dann aus meinem bisherigen Weltbild lösen, wenn ich eine Theorie finde, die mich erkennen und wahrnehmen lässt, was tatsächlich ist; denn erst die in meinem Geist vorhandenen Vorstellungen und Ideen bestimmen und ermöglichen eine korrekte Interpretation meiner Sinneseindrücke. 

Mein inneres, mentales Weltbild ermöglicht mir die Phänomene, die ich wahrnehme, in einer bestimmten Art und Weise zu interpretieren – mit anderen Worten, meine Wahrnehmungen so zu organisieren, dass ich mich darin ‚zurechtfinde‘. Dementsprechend gilt: Stelle ich mich auf den Standpunkt einer Atomtheorie mit Atomen und Elektronen als Partikel, dann werde ich Atome und Elektronen beobachten (sofern ich über die entsprechenden Geräte verfüge). Stelle ich mich auf den Standpunkt einer Theorie, die die Materie ohne Teilchen beschreibt, werde ich Entsprechendes beobachten können – sofern meine Theorie stimmig ist.

Das ist das eigentliche Problem: Die bisherigen Theorien über Materie, Licht und etc. waren stimmig – nur eben nicht vollständig. Sie klammerten das nicht Offensichtliche, das Innere aus; sowohl bei der Materie wie auch bei uns Menschen. Der Nutzeffekt dieses Wissens ist offensichtlich, ich brauche mir nur zu vergegenwärtigen, was wir damit alles an neuen Erfindungen haben und nutzen können. Aber auch wir Menschen könnten uns viel effektiver verhalten, wenn wir wüssten, wie wir uns ideal organisieren.

Das, was ich im „Schauspiel des Lebens“ beobachte, ist abhängig von den eigenen geistigen Vorstellungen, die wiederum selbst das Ergebnis vorheriger Interpretationen sind. Aber nicht nur das, auch was ich machen kann, ist anhängig von meinen inneren Vorstellungen. Insofern sind meine Vorstellungen und Ideen die besten Beweise für die Existenz eines nicht materiellen Geistes. Nur muss ich das immer wieder validieren, um nicht im Mystizismus zu landen.

Anders als gedacht

Uns fehlt die Sprache, wie Hans-Peter Dürr sagt, um zu beschreiben, was wir erleben, weil wir mit der Sprache und ihren Begriffen in der Regel am eigenen Denk-Horizont eines Dings bleiben, das Ding selbst aber können wir dann nicht sehen. Damit bleiben wir in der Welt der klassischen Physik gefangen, die uns die Dinge vermeintlich erklärt.

Das ist die eigentliche Herausforderung, herauszufinden, was Wirkich ist. Dabei beschäftige ich mich nicht vorrangig mit anderen Dingen als mich selbst, sondern wie ich überhaupt bin. Letztlich ist das ein Vorgriff auf das Ende meiner Überlegungen, nämlich der Feststellung, dass es konkrete Dinge tatsächlich nicht gibt, nur Prozesse.

Mich nur für mich zu interessieren ist kein Problem, denn verstehe ich mich besser, verstehe ich auch mein Gegenüber besser. Wobei „verstehen“ schon wieder ein schwieriger Begriff ist. Mich zu verstehen heißt ja nicht, dass ich wüsste, was ich da an Inhalten organisiere, nur wie ich mich organisiere, das weiß ich dann besser. Ich weiß dann zwar nicht, was ich in den Schrank legen werde, aber ich weiß dann, wie und wo ich es in den Schrank legen werde – sofern es etwas aufzuräumen gibt.

Seit über 100 Jahren wissen wir definitiv, dass unsere Annahmen über Wirklichkeit unvollständig sind. Es kratzt zwar ordentlich an meinem Ego, aber ich bestehe ja auch nur aus Atomen, so wie die Tasse vor mir. Ich bin zwar ganz anders organisiert, aber das, was wir mittlerweile über Materie wissen, das gilt auch für mich. Ich bin ja wie alles andere nur eine Organisation von Atomen. Und da ist auch kein wie immer geartetes „Ich“, nur ein sprachliches ich.

Daher will ich all das Wissen, über das wir verfügen, umsetzen wie anwenden können und ganz selbstverständlich darüber sprechen.

Schlussbemerkung

Wer mich ein bisschen näher kennt, der weiß, wie sehr mein bisheriges Leben von der Frage geprägt ist, was das sogenannte Dritte Reich hat möglich werden lassen, beziehungsweise, was die Menschen damals gedacht haben, dass sie derart unvorstellbar grausige Dinge zu tun in der Lage waren. Nur waren das keine Monster, sondern ganz normale Menschen.

Wenn das jedoch so ist, dass das Menschen waren, die nicht von Natur aus böse waren, sondern böse wurden, dann stellt sich zum einen die Frage, was sie so werden ließ, was sie also gedacht haben müssen, zum anderen bedeutet das auch, dass das dann heute jedem jederzeit auch passieren kann – wenn die Umstände eine entsprechende Gemengelage bilden.

Ich habe lange als Rechtsanwalt gearbeitet und war auch in der Politik, von daher weiß ich aus eigener Erfahrung, zu was Menschen fähig sind, Dinge zu tun, die sie „eigentlich“ nicht machen wollten. Und trotzdem haben sie es getan.

Gerade habe ich eine Besprechung des Buches „Erfolgsfaktor Zufall: Wie wir Ungewissheit und unerwartete Ereignisse für uns nutzen können“ von Christian Busch gelesen, in der ich mehr über den Begriff „Serendipität“ erfahren haben. Unter Serendipität wird das Stolpern über eine Sache verstanden, nach der man nicht gesucht hat – die aber ein ganz anderes Problem auf überraschende Weise löst.

Und genau das hat mich die ganze Zeit umgetrieben, ich wurde das Gefühl nicht los, dass das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten in der Natur, die mir mit der modernen Physik zunehmend bewusst wurden, eine Lösung für viele der aktuellen Probleme der Gesellschaft ganz allgemein ist.

Wenn ich nicht mehr fragmentiert denke, wenn ich sehe, dass alles mit allem verbunden, ja verschränkt ist, wenn ich weiß, dass ich durch die reine Wahrnehmung anderes beeinflusse … und so weiter – wenn ich mir dessen wirklich bewusst bin, würden mir dann noch die selben Denkfehler unterlaufen, die den Menschen in der NS-Zeit unterlaufen sind?

Ich kann es zwar nicht eindeutig beantworten, aber ich denke, dass das dann nicht mehr passieren wird. Es kommt ja sicher nicht von ungefähr, dass viele Quantenphysiker eine hohe Affinität zu Ch’an haben. Je mehr ich mich selbst auf Quantenphysik einlassen kann, umso mehr merke ich, wie sich meine grundlegende Haltung, vor allem den Menschen gegenüber, aber auch mein Haltung zu Tieren und letztlich zu allem verändert.

Quintessenz

Geschrieben habe ich den Text „Quintessenz“ nach den anderen Texten, aber er steht ganz vorne, denn im Grunde beginnt es damit.

Ich bin Natur wie das Universum oder die Fliege, die auf der Fensterscheibe krabbelt. Daher gelten auch für mich die identischen Prinzipien.

Selbstverständlich sehe ich anders aus als ein Stein und auch anders als ein Baum, aber das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Stein, die Fliege, der Baum und ich den identischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, bestehen doch Stein, Fliege, Baum und Organismus aus identischen, wenn auch nicht unbedingt den gleichen Atomen.

Alle Atome folgen, so unterschiedlich sie sind, identischen Gesetzmäßigkeiten. Und nicht anderes ist es bei uns Menschen. Viele machen ja den gedanklichen Fehler zu glauben, ein anderer würde ganz anders denken als sie, was ja auch stimmt – aber nur inhaltlich. Die dem Gedachten zugrundeliegende Denkstruktur, also die Form des Denkens, ist dann auch verschieden, doch die Gesetzmäßigkeiten, die sind identisch.

Das „Problem“ ist, dass wir meist nur über Inhalte und vielleicht noch über die Form nachdenken, aber zu selten nach den Gesetzmäßigkeiten fragen. So recht Pen-hsien mit diesem Gedanken „Bieten euch nicht alle diese zahllosen Erscheinungen der Natur ein Tor zur Erleuchtung?“ hat, führt er einen doch schnell in die Irre, geht man den Phänomenen der Natur nicht wirklich auf den Grund.

Spreche ich über Moleküle oder Atome, dann weiß mein Gegenüber nie genau, was ich damit ausdrücken möchte. Sage ich zum Beispiel da fällt ein Apfel vom Baum, dann ist ds zwar verständlich, aber nicht richtig, denn er fällt nicht, sondern rollt das Gravitationsfeld hinunter. Spreche ich über eine Entität, lasse ich zwangsläufig etwas weg, denn ich nehme diese eine Sache aus ihrem Beziehungsgeflecht heraus und tue so, als wäre sie isoliert – was sie aber nicht ist.

Also spreche ich im Grunde nur über die Prinzipien, nicht über die Sache als solche, denn die gibt es nicht. Und genau das will ich hier tun. Dabei bediene ich mich der Erkenntnisse der Quantenphysik, denn die sind nun einmal nicht zu bestreiten. Jedenfalls tue ich mir leichter, von diesen Erkenntnissen weiter zu denken als gleich hineinzuspringen und bei Ch’an anzufangen. Führt zwar zu einem ziemlich identischen Ergebnis, ist aber erst einmal schwieriger zu akzeptieren – jedenfalls für mich.

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